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Freitag, 12. April 2019

Kriegsbeorderung vom 28.2.1939 zeitgleich mit Verkauf Palais Schaumburg an Reichswehr







Gutes timing.

Tagebucheintragung S.140:

20 August 1938


"[Man rechnet mit Kriegsausbruch im Oktober. Heiratsgenehmigungen für Offiziere für Oktober sollen nicht mehr erteilt werden. Reserveformationen sind vorsichtshalber aufgestellt. Der Ausbau der Verteidigungsstellung im Westen geht fieberhaft weiter. Es steht jeden Tag auf des Messers schneide. Das Volk lässt die Ohren hängen und ist sehr gegen Krieg eingestellt. Morgen werden meine hohen Stiefel für den Kriegsfall fertig. Autos werden gemustert und teilweise eingezogen. Hier können nur noch höhere Gewalten helfen. Die Stimmung ist schlecht. Ich bin sehr im Zweifel, ob es möglich sein wird, im Oktober noch zur Hirschbrunft nach Steyrling zu fahren. – Wer weiss, wie es kommt, hoffentlich führt der Weg durch dieses Tal zum Licht. – Wenn die Kriegsgefahr zu lange dauert, leidet die Nervenkraft des Volkes meines Erachtens enorm, und die Nervosität wird immer grösser, leider. Die wildesten Gerüchte kursieren, natürlich nur von Mund zu Mund. Das Gerücht, dass wir trotz der fehlenden Devisen für 2 Jahre Lebensmittel gelagert haben sollen, dürfte richtig sein, Gottlob. Dazukommt noch die sehr gute Ernte dieses Jahr. Es hilft nichts weiter, als in Ruhe abwarten und Gott bitten uns alle und ganz Europa vor diesem furchtbaren Schicksal zu bewahren. – – –"

Chronologie:

15.6.1937 Wolrad stellt Rückdatierungsantrag NSDAP, mit der Begründung dass er schon 1928 den Kampf gegen die Freimaurer geführt habe und schon mit Hess und Rosenberg in Kontakt gestanden habe. (Mappe 4).

Wilhelm Rohrssen, Schlossverwalter in Bückeburg unter Adolf geht zu Goebbels nach Berlin. (Mappe 7).

11.8.1937 Rechtspfleger Freitag AG Bückeburg vermerkt auf Erbschein nach Adolf: Vermögen nicht vorhanden (Mappe 5 A). Kostenberechnung 1 RM, Datum; 11.2.1936 (vor Adolfs Tod).

23.8.1937 Wolrad erteilt Vollmacht als Oberhaupt des Fürstlichen Hauses an Schwertfeger gemäss Par. 14 des Hausgesetzes über das Hausgut des FH Schaumburg Lippe (AG Bückeburg)

10.11.1937 Vermerk des Staatsekretärs bei Göring in  Akte Wolrads wegen Titelfrage: Referent im Reichsinnenministerium habe zu dem Gesetzesentwurf (FideikommisserlG) noch nicht  Stellung genommen.

Januar 1938 Verkaufsverhandlungen mit Oberst Kuntzen vom Heerespersonalamt beim Reichskriegsministerium, Tirpitzufer in Berlin

24.2.1938 Gnadenerlass Bouhler hinsichtlich Mitgliedschaft Stephan in EBDAR.

13.3.1938 Hitler marschiert in Österreich ein. Styerling (10.000 hektar grosses Forstgut von Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe liegt in Österreich.

14.4.1938 Unter VI Nr. 27/38 erteilt das AG Bückeburg II angeblich ein Testamentsvollstreckerzeugnis zugunsten Hofrat Hermann Müller in Bückeburg und RA Dr. Valentin Stolz I in München.

25 April 1938 Unter dem Aktenzeichen 8310 Fk  17, 8/38 (Blatt 55 der Akte 10191, 5 Bundesarchiv R 3001) findet sich ein Vermerk zur Auflösung der Fideikommisse in Österreich aus dem sich eindeutig ergibt, dass sich auch die SS mit der Gesetzgebung zur Fideikommissauflösung beschäftigte:“Vermerk: Am 23.d.Mts, suchte mich Herr Dr. Ehaus vom Reichsministerium des Innern (Chef der Sicherheitspolizei) auf und teilte mir mit, dass der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei den Chef der Sicherheitspolizei um Stellungnahme zu den anliegenden “Richtlinien fur einen Gesetzesentwurf über die Aufhebung der Fideikommisse im Lande Österreich” ersucht habe. Die Richtlinien seinen bei einer am 10 April d.Js. in der Reichskanzlei stattgefundenen Besprechung unter Beteiligung des Herrn Reichs- und Preussischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft aufgestellt und vom RMdJ. Zunächst der österreichischen Landesregierung zur Stellungnahme übersandt worden. Er bitte, die Richtlinien streng vertraulich zu behandeln. Er sei beauftragt, sich im Reichsjustizministerium über den im Reiche geltenden Rechtszustand hinsichtlich der Auflösung der Fideikommisse zu unterrichten. Herr Ehaus ist telefonisch zu erreichen unter 120040 (Ap. 760) Wilhelmstr. 101 (Eingang Geheime Staatspolizei). Berlin den 25 April 1938.” Kreishauptmann (und Sturmbannführer) Dr. Heinz Ehaus führte im Juli 1942 die Deportationen im Generalgouvernement (Rzeszow = Reichshof) durch und liquidierte fast sämtliche Juden in Reichshof.


6.7.1938 Erlass Gesetz über das Erlöschen  der Familienfideikommis-se und sonstiger  gebundener Vermögen vom 6 Juli 1938 (Reichsgesetzblatt I. S. 825), welches im Einvernehmen mit dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft (Richard Walther Darré) , dem Reichsforstmeister (Hermann Göring), dem Reichsminister  des Innern (Wilhelm Frick), dem Reichsminister  der Finanzen (Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk) und dem Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung  und Volksbildung (Bernhard Rust) vom Reichsminister für Justiz (Franz Gürtner) erlassen wird.

20.8.1938 Bei staatsähnlicher Trauerfeier des holländischen Gesandten v. Rapperd erscheint Wolrad im Schloss als Gastgeber in SA Uniform, zugegen sind Herr Dreier Präsident der Landesregierung Schaumburg Lippe und Reichstatthalter Alfred Meyer (später Teilnehmer der Wannseekonferenz).

1938 Wolrad schliesst mit der Reichsbahn Verträge ab für “seine” Bahn (BEK). Er investiert 362.000 RM für kommenden Bedarf.

22.11.1938: Rücknahme der Anfechtung des Domanialteilungsvertrages.

24.2.1939 angebliche Testamentsvollstrecker  des verstorbenen Adolf FzSL verkaufen Palais Schaumburg an Reichsheer für 709.000 RM bar.

29.2.1939 Kriegsbeorderung Heinrich Prinz zu Schaumburg-lippe.

3.3.1939 (wie zuvor) Verkauf Belle Maison Pullach an Stiftung Biologisches Krankenhaus für 280.000RM (Innenministerium, auch Erholungsstätte für die NSDAP Führung in München, insbesondere Bormann und Hess).

20.3.1939 Paragraf 86 DVO FidErlG (nachgewiesenermassen Einzelfallgesetz für Fall Schaumburg Lippe, siehe Schriftsatz Seelmann Eggebert v. 16.12.1941 S.9).

28.4.1939 Vor Notar Kistenfeger in München erteilt Valentin Stolz (angeblich Testamentsvollstrecker Adolfs) als TV Adolfs Vollmacht an Schwertgfeger in Bückeburg um ihn (Valentin Stolz) in allen Angelegenheiten betreffend das Landgut Gülzow zu vertreten. Beglaubigung der Unterschrift durch Notar Kistenfeger in München.

29.4.1939 Vor Notar Cramer in Bückeburg erteilt Hermann Müller (angeblich Testamentsvollstrecker Adolfs) Vollmacht an Schwertfeger in Bückeburg um ihn (Müller) in allen Angelegenheiten betreffend das Landgut Gülzow zu vertreten. Beglaubigung der Unterschrift durch Notar Cramer in München.

3.5.1939 Notar Blauert leistet Abschrift des Unter VI Nr. 27/38 erteilten Testamentsvollstreckerzeugnis des AG Bückeburg II am 14.4.1938 zugunsten Hofrat Hermann Müller in Bückeburg und RA Dr. Valentin Stolz I in München.

15.5.1939 Dr. Schwertfeger betreibt Machenschaften:

Täuschung über die Rechtsnatur des Nachlasses von Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe

"Herr Geheimrat Seelmann und ich fanden uns, nachdem S. gegangen war, beide in der Überzeugung, dass die Situation für unseren Fürsten sich eigentlich nur verbessert habe.... Die wirklich unangenehmen Punkte, die sich im Rahmen des Gesetzes ergeben könnten (Antrag auf Erhöhung der Apanage und Auseinandersetzung über den Lehnbesitz) hat die Gegenseite noch gar nicht gemerkt."


30.6.1939 Vor Notar Rudolf Blauert in Güstrow wird durch Schwertfeger als Bevollmächtigter der Testamentsvollstrecker nach Adolf Gut Gülzow (798 Hektar) an Firma F. von Lochow – Petkus Gesellschaft mbH (Sitz Bergen, damals Saatzucht in Hasselhorst) zum Preis von 950.000 RM (bar). Geschäftsführer der Lochow Petkus waren Dr. Agr. Walther Laube und Carl v. Bose, Major a..D. Damit steht fest, dass auch dieser Verkauf (Gülzow) mit der Umsiedlung wg. Truppenübungsplatz Bergen und KZ Bergen Belsen in Zusammenhang steht. Lochow Petkus war betroffen und erhielt Gülzow.

20.7.1939 Durch Erlass des RFSS wird EBDAR aufgelöst.

17.8.1939 Wolrad stellt Generalvollmachten an Plettenberg, Schwertfeger und Dienemann aus (weil der Krieg beschlossenen Sache ist und Wolrad am Raubüberfall  gegen Polen im September 1939 teilnehmen wird).

23.8.1939 Zusatzprotokoll zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt unterschrieben von Ribbentropp: Fúr den Fall einer territorialspolitischen Umgestaltung der zum polnischen Staate gehörenden Gebiet werden die Interessenspfären Deutschlands und der UdSSR ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San abgegrenztDie Frage, ob die beiderseitigen Interessen die Erhaltung eines unabhängigen polnischen Staates erwünscht erscheinen lassen und wie dieser Staat abzugrenzen wäre, kann endgültig erst im Laufe der weiteren politischen Entwicklung geprüft werden.



1.9.1939 Beginn des deutschen Angriffs auf Polen.

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