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Sonntag, 25. August 2019

Atombombe

Tagebucheintragungen (Verfasser Heinrich Prinz zu Schaumburg - Lippe)


1. 7.

Heute Nacht machten die Amerikaner im Südpazifik einen Atombombenversuch über Wasser. 120 Schiffe aller Klassen mit 3000 Tieren als Versuchsobjekte. Wir waren noch auf und lasen Zeitung. Ungefähr um 020 Uhr (um 000 Uhr wurde sie geworfen) wurde mir schlecht. Beklemmungen, Herzzustände und ein ganz merkwürdiger Geschmack im Mund. E.  ging es ähnlich, sie hatte ganz plötzlich starkes Herzklopfen, wurde ganz blass. Das gleiche Gefühl innerer Hitze wie bei einer Kalkinjektion. Nach einiger Zeit erneut der gleiche widerliche Zustand. – Wenn man bedenkt, das wenig mehr genügt, um den ganzen Erdball zu zerreissen!!! So weit sind wir also mit der menschlichen Technik gekommen. Die Menschheit steht also vor der Wahl des Selbstmordes oder zur Rückkehr zum Gesetz der Liebe. Selbstzerstörung oder der unbedingten Anerkennung, dass das Leben einen höheren Sinn hat. Geschieht dies nicht, dann steht dem Weltselbstmord nichts im Wege. Es wäre die logische Folge. Die Welt steht vor ihrer grössten Entscheidung. [S. 363] Eine Art Endphase. Die Endalternative. Die Technik mit dem Ziel, Vernichtungswaffen zu erfinden, ist auf ihrem endgültigen Höhepunkt angelangt. Eine neue Epoche hat begonnen, die des geistigen Aufstiegs. Mögen die Menschen der Verantwortung sich bewusst sein, die die Zeit ihr auferlegte. Menschheitsentwicklung. Menschheit am Scheidewege. Somit wird auch der Menschheit die Frage des Sinns des Lebens gestellt. Ungeheuer die Entwicklungsmöglichkeiten, die da zur freien Entscheidung stehn. Sie verlangen eine klare Entscheidung ja oder nein! – Merkwürdig war, dass unser Hund Angstzustände bekam und auffällig Schutz suchte. Wie das Radio heute morgen durchgab, sollen hintereinander 2 Explosionen erfolgt sein mit einer Feuererscheinung von 17000 m Höhe. Woher die 2.? Ein französischer Gelehrter warnt vor einem Unterwasserversuch, da dadurch der Bestand der Erde gefährdet werden könnte. Ich könnte mir ausserdem denken, dass der Schwingungsdruck für den menschlichen Organismus untragbar würde. Der vorgeplante Termin ist auf den September gelegt. Ich finde, dass genügend experimentiert ist, schon allein, wenn man bedenkt, wieviele Lebewesen im Ozean getötet wurden. Man sollte dem Teufel nicht den kleinen Finger reichen. Die Linie, wohin die Reise gehen kann, ist jetzt schon genau genug aufgezeichnet, um eine entsprechende Revolution auszulösen. Im Lichte dieser Fragen verblassen alle anderen früher für so überaus wichtig gehaltenen kleinen Fragen des täglichen Lebens. Wird es gelingen, diese Kraft zum Segen der Menschheit auszuwerten, oder ist es besser, die Versuche auf diesem Sektor ganz einzustellen? Heere haben ihre Bedeutung verloren. Kriege sind sinnlos. Hätte Hitler diese Erfindung gehabt, er hätte am Schluss die Welt geopfert. Das ist sicher. So hat er sich mit dem jetzigen Chaos begnügt. – – – Jetzt kann die Welt sehn, wohin Hass führen kann auf diesem Planeten! – – –

[S. 364] Die schönste Auswirkung der Atombombe wäre die Ächtung der Gewaltanwendung in jeder Form. In Rückschlag ins Geistige in der gleichen Heftigkeit, wie diese Erfindung den Gipfel negativer Möglichkeiten darstellt. Die Menschheit muss jetzt sehn lernen, wo sie steht, und wird auf den Sinn des Lebens direkt gestossen. Man sollte denken, dass jeden Einzelnen, zugegeben oder nicht, jetzt diese Frage beschäftigen müsste. –


12. 8. 1946
Kapitulationsangebot von Japan. Es ist nicht annähernd so zerstört wie Deutschland. Nun kann die Ausschlachtung beginnen. Ich bedaure lebhaft, nie im fernen Osten gewesen zu sein und dadurch die dortige Situation nicht übersehen zu können. 
[S. 289] Wesentlich scheint mir für die Entwicklung der nächsten Jahre zu sein, ob die Amerikaner die Erfindung der Atombombe den Russen zugänglich machen oder nicht. Mir scheint die Möglichkeit zu bestehn, mit dieser Bombe ohne Mobilisierung eines Heeres einen Gegner niederzuhalten resp. einen Angriff im Keime zu ersticken, z.B. indem man die Hauptstadt zerschmeisst. Mir scheint, dass Bô Yin Râ Recht hatte, als er diesen Krieg als den letzten bezeichnete. Eine Militarisierung ist heute meines Erachtens überhaupt zwecklos. Wenn man die chemischen Laboratorien am Arbeiten hindert, ist ein Volk als Angreifer so oder so ausgeschaltet. Eigentlich müsste die neue Erfindung Amerika ein derartiges Übergewicht sichern, dass eine lange Besetzung Deutschlands sich erübrigte. Sie werden Deutschland verlassen, wenn sie es ausgeplündert haben. Die Entwicklung läuft viel schneller, als wir denken, meines Erachtens. – Von 20 Jahren kann keine Rede sein.



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