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Dienstag, 29. Mai 2018

Kulturnachrichten: Appell an die Vernunft und Pietät-und an das Gesetz


Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe auf dem Weg zur Front, hinten Erika Gräfin Hardenberg, seine Frau


Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe kündigt heute in einer Nachricht  an, den Leichnam des Prinzen Heinrich zu Schaumburg-Lippe aus dem Mausoleum "entsorgen lassen  zu wollen".

Den Vorgang wolle er photografieren und die Bilder einem der Nachfahren des Prinzen Heinrich zustellen.

Die für dieses Vorhaben angeführte Begründung ist nicht eindeutig erkennbar.

Einerseits ist die Rede davon, dass Heinrich Prinz zu Schaumburg Lippe die Absicht gehabt habe, sich das gesamte Hausvermögen anzueignen, andererseits ist die Rede von Umbaumassnahmen und schliesslich wird in einem gesonderten Absatz erwähnt, dass in der Angelegenheit Mecklenburg Vorpommern wieder "gewühlt werde".

Die Verquickung dieser Aspekte mit einer "Entsorgung" des Leichnams des im Jahre 1952 verstorbenen Prinzen Heinrich ist schwer verständlich.

Fakt ist:

Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe wollte sich nicht das gesamte Hausvermögen einverleiben.
Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe schrieb ein Tagebuch, das vollständig veröffentlicht worden ist. Darin kann alles nachgelesen werden, insbesondere auf den Seiten 200, 214.

Was  ein verwaltungsrechtlicher Vorgang in Mecklenburg Vorpommern mit dem Mausoleum in Bückeburg zu tun hat kann nicht ermittelt werden. Und was hat das mit dem 1952 Verstorbenen zu tun ?

Die Fragen sind:

Warum soll der Leichnam entsorgt werden ? Auf wen wird damit Druck ausgeübt ? Auf einen Toten wohl kaum. Auf mich ? Wozu ?

Mir fällt nur eine plausible Antwort ein. Aber die behalte ich für mich.

Adolfs Sarg 1936 am Eingang des Mausoleums

Aus Helge bei der Wieden Genealogie 

Aber interessant sind folgende rechtlichen Fragen die den "Fürsten" nicht kümmern:

1. Wem gehört das Mausoleum ?
Adolf liess das Mausoleum erbauen. Es hatte einen Zweck: es sollte als Familiengrabstätte dienen.
Georg wurde von der Schlosskirche  in das Mausoleum umgebettet
dan wurden dort bestattet
Marie Anna 1918
Moritz kurze Zeit später
es kamen andere hinzu
1936 Adolf und Elisabeth
1952 Heinrich.

Erben nach Adolf sind die Geschwister zu je 1/5.
Es gibt einen Widmungszweck.
Es gibt eine Gewährung eines Nutzungsrechtes

2. Wo ist der Nachweis der rechtmässigen Eigentumszuweisung an Wolrad ?
Ist es vielleicht eine Fideikommissauflösung ?
Wurden die Nutzungsrechte aufgehoben ?
Wurden sie durch Urteil oder Beschluss begrenzt ?

3. Wie kann es sein, dass der selbsternannte Fürst jetzt das BGB bemüht oder eine städtische Friedhofsordnung, um konsolidierte Nutzungsrechte EINES Bestatteten aufzuheben ? Wenden ein falscher Fürst nun das BGB an ? Sehr wirr und es sieht nach verbotene Eigenmacht aus.

4. Heinrichs Leichnam ist Gegenstand eines Rechtes auf Nutzung des Mausoleums, weil er Sohn des regierenden Fürsten Georg ist, und Bruder des letzten regierenden Fürsten, der verfügt hat, dass das Mausoleum zu diesem Zweck genutzt werden dar. Dieses Recht ist weder erloschen, noch darf es ein falscher Fürst wieder aufheben. Im übrigen ist Alexander SL nicht Alleinerbe des Fürsten Adolf. Das soll er nachweisen, und das "abhanden gekommene" Testament nun endlich auf den Tisch legen.



Zum Thema Umbau im Mausoleum wurde bereits  hier   berichtet.

Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe sollte sein Vorhaben überdenken.

Im Mausoleum sind Fürst Georg, Fürstin Marie Anna und deren Kinder bestattet.

Man sollte sie ruhen lassen. Sinn und Zweck des 1911 errichteten Mausoleums war es, der fürstlichen Familie eine Ruhestätte zu gewähren. Daran sollte nicht gerüttelt werden.



Was würde Georg sagen ?


Zu Heinrichs Beisetzung im Jahr 1952 können folgende Anzeigen gelesen werden:

Die Schaumburger Landeszeitung schrieb am 12.11.1952

« Prinz Heinrich zu Schaumburg Lippe verstarb gestern im Mindener Krankenhaus
nach einer kurzen, aber schweren Krankheit.

Zu seinem Ableben erfahren wir: 1894 in Bückeburg als 6. Kind des damals
regierenden Fürsten Georg zu Schaumburg Lippe und seiner Gemahlin, Fürstin
Marie Anna, geborene von Sachsen Altenburg geboren. Nach seiner Ausbildung im
Kadettenkorps Gross-Lichterfelde nahm er am Weltkrieg 1914/18 als Angehöriger
verschiedener Formationen teil. Er wurde zum Oberleutnant befördert und mit dem
EK 1. und 2. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Kriege lebte er in Bückeburg und
betätigte sich vielfach als Jagdschriftsteller. Auch am 2. Weltkrieg nahm Prinz
Heinrich teil und wurde zum Hauptmann befördert. »

Und die Landeszeitung am 15.11.1952

« Bückeburg
In den Nachmittagstunden des gestrigen Freitags fand bei grauem Novemberwetter
im Mausoleum die Trauerfeier für den in diesen Tagen verstorbenen Prinzen
Heinrich zu Schaumburg Lippe statt. Kaum vermochte das Mausoleum die in in
ungewöhnlich grosser Anzahl erschienenen Trauergäste zu fassen, als mit einem
Orgelvorspiel die Feierstunde eingeleitet wurde, an der ausser allen
Familienangehörigen und weiteren Mitgliedern fürstlicher Häuser auch zahlreiche
Ratsherren der Stadt Bückeburg mit Bürgermeister Hahn und Stadtdirektor
Engelmann für die Stadtverwaltung teilnahmen.
Am Sarge hielten sechs Forstleute die Totenwache. Stille beherrschte die würdige
Totenstätte des Fürstliche Hauses als Eingangswort….Langsam öffneten sich dann die
schweren Bronzetüren des Mausoleums und aus dem Dunkel des sich neigenden
grauen Novembertages erklang das Halali als letzter Gruss für den der Jagd
leidenschaftlich ergebenen Prinzen Heinrich zu Schaumburg Lippe. »

Aus dem Generalanzeiger vom 21.11.1952 :

« Prinz Heinrich im Mausoleum beigesetzt »
Zahlreiche hohe Gäste und alle Kreise der Bevölkerung erwiesen dem Toten bei der
Trauerfeier die letzte Ehre.
An der Trauerfeier für den verstorbenen Prinzen nahm eine derart grosse Zahl von
Trauergästen teil, dass das Mausoleum die Erschienenen kaum zu fassen vermochte.
Unter der weiss-rot-blauen Fahne des ehemaligen Landes Schaumburg-Lippe, die den
schweren Eichensarg bedeckte, lag der tote Prinz vor dem Altar des Mausoleums
aufgebahrt, umgeben von unzähligen Kränzen. Im Luftzug leicht flackernder
Kerzenschein erhellte das Innere des vom Novembernebel verdüsterten hohen
Kuppelbaues. Sechs Forstleute hielten am Sarge die Totenwache. Für die Stadt
Bückeburg legten Bürgermeister Hahn und Stadtdirektor Engelmann im Namen des
Rates der Stadt, der fast vollzählig vertreten war, einen Kranz nieder. Unter den
hohen Trauergästen sah man den Grossherzog Nikolaus von Oldenburg und
Gemahlin, den Erbprinzen Georg Moritz von Sachsen Altenburg, den Erbprinzen
Ernst August von Braunschweig-Lüneburg, den Erbprinzen Peter von Schleswig-
Holstein Sonderburg Glücksburg, die Prinzessin Luise von Preussen und den Prinzen
Friedrich Karl von Preussen… »


Haz rezensiert Tagebuch 


Aristokrat und Nazi-Gegner 

Das Tagebuch von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe 

Der Mann rang um Erklärungen für den Rückfall in die Barbarei: "Es wird aber immer, scheint mir, ein psychologisches Rätsel bleiben, wie es möglich war, ein Volk (...) zu einem so langen Durchhalten an der Front zu bereden", notierte Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe kurz nach dem Krieg in sein Tagebuch.Der Aristokrat (1894-1952), geboren als sechstes Kind des regierenden Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe in Bückeburg, stand dem NS-Regime - anders als einige seiner Geschwister - kritisch gegenüber. In seinen privaten Aufzeichnungen warnte er schon 1938 vor einem Krieg: "Es ist mir ganz unverständlich, wie die Menschen nicht erkennen können, dass aus einem Kriege für niemand Segen kommen kann." Nach 1945 beäugte er misstrauisch die Exkulpationsversuche der Deutschen, die der "Führung" die Schuld gaben ("Jämmerlicher Versuch einer Entlastung"), und er zeigte sich erschüttert über die Gräuel in den KZ: "Man muss sich vor den Ausländern schämen, Deutscher zu sein." Jetzt hat sein Enkel, der Rechtsanwalt .... vom Hofe, die Tagebücher des Großvaters ediert. Dieser hatte verfügt, dass die Aufzeichnungen nicht ins Hausarchiv gelangen sollten - offenbar aus Misstrauen gegenüber seinem Bruder Wolrad, dem damaligen Chef des Adelshauses (und Großvater des heutigen Chefs Alexander zu Schaumburg-Lippe). Die Tagebuchedition "Wiedergutmachung muss sein ..." gewährt Einblicke ins Denken eines christlich-konservativen Adeligen, der kein moderner Demokrat war, doch ein genaues Gespür für Recht und Unrecht hatte. Und sie ist eine aufschlussreiche Quelle für die Geschicke im Bückeburg der Nachkriegszeit. Etwa dafür, wie die Deutschen 1945 die Alliierten wahrnahmen: "In der Siedlung Negereinquartierung. Sie sollen sehr nett und artig sein, außer wenn sie Schnaps erwischen." 


Dass der jüngere Bruder, Friedrich Christian im Mausoleum ruht ist kein Problem.  Er war Goebbels Adjutant.

Das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover wurde informiert.

Echo bei https://archivalia.hypotheses.org/72471

ADDENDUM:

zum öffentlichen Interesse dieser Berichterstattung:

 zur Frage, wer entsorgt werden soll

rezensionen u.a.

http://www.goettinger-tageblatt.de/Nachrichten/Kultur/Regional/Tagebuch-von-Heinrich-Prinz-zu-Schaumburg-Lippe

Bibliotheken

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik/blaues-blut-und-braune-brut-1413124.html


zur Frage, wer das vor hat

dessen Grossneffe

https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_zu_Schaumburg-Lippe

dieser blog ist ein Geschichtsblog:

https://planethistory.de/

Quizfrage:

Aus welchem der hier aufgelisteten Mausoleen in Deutschland (andere Länder Europas prüfen wir erst gar nicht) lässt ein Familienmitglied einen echten Prinzen oder Fürsten oder Königssohn oder ähnliche historische Person entsorgen ?


Ob die Welfen ihre Toten würdigen ?

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