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Freitag, 6. Dezember 2019

Exkurs: Deutsche Schule Madrid nimmt an Geschichtswettbewerb teil

https://www.dsmadrid.org/de/news/1036-wettbewerb-erinnern-fuer-die-gegenwart

http://erinnern-gegenwart.de/site/

Im Rahmen des Projektes werden auch Zeitzeugen interviewt. Ich war in jener Zeit Schüler der Deutschen Schule in Madrid

Im Buch Vier Prinzen Kammler und von Behr liess ich etwas Autobiographisches einfliessen:

Damals, in den sechziger Jahren war Spanien ein bescheidenes Land. Wenig Vielfalt an Artikeln gab es. Die Spanier waren, anders als heute, in der Lage, ihre damals meist kleinen Eigentumswohnungen zu bezahlen, fuhren ihren SEAT 600. Importierte Autos gab es so gut wie keine, wodurch sich der Neid in Grenzen hielt. Ende der sechziger Jahre kauften sich viele spanische Familien ihr Appartement am Strand. Der spanische Mittelstand kam über die Runden und lebte sorgenfrei. Die Steuerlast war gering, es gab keine Autonomien, keine Duplizitäten. Es gab langweilige Kleidung für Jugendliche, wenige (Rock-) konzertveranstaltungen. 17-jährig besuchte ich in Madrid mit meinen Klassenkameraden Auftritte von Jethro Tull, Fripp & Eno, King Crimson, Genesis (Lamb Lies Down mit Peter Gabriel), Nektar und Focus. Es waren wenig Konzerte aber gerade deshalb einzigartige Ereignisse die wir zu schätzen wussten. Es kamen Hatfield & The North, Henry Cow, Kevon Coyne, Kevin Ayers, Return to Forever mit Chick Corea. Es gab Zensur, so durfte eine Eingangsstrophe der Platte Passion Play von Jethro Tull nicht veröffentlicht werden. Neil Young´s Platte Zuma war dem Regime ein Dorn im Auge. Die Conquistadores wurden als Räuber und Kriegsverbrecher dargestellt, was sie auch waren. Der Titel des Eingangssongs „Cortez the Killer“ wurde umgetauft in Cortez Cortez“. Und Who´s Quadrophenia mit den nackten Brüsten glich einem Zebra. Überall schwarze Balken. Sehr ärgerlich. Der von mir sehr geschätzte Kritiker Diego A. Manrique stellte aber auch zutreffend im Jahr 2012 fest: Während der Francozeit gab es mehr Musiksendungen in Fernsehen und im Radio als heute. Es gab wöchentlich Rock und Jazz Programme. Die ETA entführte, mordete und legte Bomben. Besonders blutrünstig war der Anschlag auf die Cafeteria in der Calle Correo in Madrid. Aber das berühmteste Attentat galt Carrero Blanco, Francos Regierungspräsident, der am 20 Dezember 1973, samt gepanzerter Staatskarosse, ein Dodge 3700, in der Calle Claudio Coello, 5 Stockwerke hoch katapultiert wurde, bis der Wagen im Innenhof des Gebäudes zerschellte. Ein Deutschlehrer an der Deutschen Schule Madrid brüllte während unseres kleinen Weihnachtsfestes in unserem Klassenzimmer in die Schulklasse hinein: “Heute früh ist der Regierungspräsident ermordet worden und ihr hört “moderne” Musik. Skandal.” Ja, wir feierten Weihnachtsfest und hörten “Close to the Edge“ von „Yes”, ein Weihnachtsgeschenk eines “amigo invisible”, eine grandiose Scheibe. Schon damals war ich ein prog-rock-Liebhaber. An der Deutschen Schulde Madrid hatte ich mir auch schon mal eine Schelle von einem Lehrer eingefangen. Der Grund: im Spanischunterricht rutschte mir heraus: “Y un huevo”. Ein harmloser Ausruf, aber gerichtet an eine Klassenkameradin. Da hörte der Spass auf. Das hatte dem dem Spanischlehrer nicht gefallen. 1969 war es in Bilbao etwas derber gewesen. Ein deutscher Mathelehrer hatte die blöde Angewohnheit, mit seinem Schlüsselbund auf die Schüler zu werfen. Er traf die Hände meines Nachbarn. Seine Warzen platzten auf. Damals war ich 12 und empfand diese Angriffe als Terror. Eines Tages verirrte ich mich, als Protestant, in einem katholischen Religionsunterreicht auf Spanisch. Der Geistliche war streng. Ich sollte mit einem Gebet beginnen. Meine Rettung bestand darin, mich rauszureden, ein Privileg der “hybriden Kinder”, daß sind die die im Ausland aufwachsen und an ihrer Staatsangehörigkeit (die deutsche) und Konfession festhalten. Ich sagte, “no soy católico, lo siento”. Tut mir leid, ich bin nicht katholisch. Eine unangenehme Vorstellung: Soll vorbeten, alle blicken auf mich, und ich versage... Viele Jahre später würde ich mit den Katholiken sympathisieren. Das Angebot an anarchistischen, kommunistischen, subversiven, Zeitschriften war vielfältig: Ajoblanco, El Viejo Topo, Hermano Lobo. In Gesprächszirkeln, Buchhandlungen, Plattenläden und Kneipen wurde gesprochen und diskutiert. Natürlich wurden meist nonkonforme Gedanken und politisch „unkorrekte“ Ideen ausgetauscht. Viele langhaarige, bärtige, intelektuell interessierte sogenannte “progres” (Fortschrittliche) füllten die tascas. In etwa der Anblick den Besucher von King Crimson Konzerten boten. Hübsche Spanierinnen, madrileñas, die nicht nur sehr gut aussahen, sondern witzig und intelligent waren mischten sich darunter. Das Francoregime der ersten Hälfte der siebziger Jahre war entweder zu schwach, um diese Strömungen zu unterbinden oder intelligent genug, um sie zu tolerieren. Jedenfalls war Madrid zwischen 1970 und 1975 brodelnde Stadt. Die jungen Spanier waren hungrig nach Wissen und wünschten sich einen politischen Wechsel. Wir Schulkameraden der Deutschen Schule trafen uns in den Mesones de la Plaza Mayor am Samstag oder gingen nach aurrerá. Manche von uns führten lange Debatten über Gott und die Welt. Andere soffen oft, wir selten. Es wurde geraucht, getrunken und angemacht. Spanierinnen die zu den tascas kamen, zum Beispiel in die Kneipe “Los Faroles” in Moncloa waren natürlich, nett und offen. Ich erinnere mich an die Demos 1974. Die Grises (Polizei) schossen mit ihren Gewehren große und sehr harte Gummibälle und schlugen mit ihren Schlagstöcken zu. Besonders berüchtigt war die berittene Polizei. Ich rannte auch mit. Wenn meine Eltern das gewusst hätten ! Es hätte gekracht. Zu Recht. Niemand durfte sich politisch betätigen. Ausländer erst recht nicht. Ein beliebter Treffpunkt für spannende Diskussionen war Titos Schallplattenladen in der Nähe des Deutschen Schule in der Calle General Mola (heute Principe de Vergara). Er trug einen Bart und sah aus wie Cat Stevens, beriet uns musikalisch und sprach über Alles. Er war Anfang zwanzig. Bei ihm gab es keinen mainstream: Weather Report, Brian Eno, Canterbury, John Martyn, Nick Drake und immer wieder King Crimson. Ich lernte Titos Freunde kennen. Darunter auch Mitglieder und Sympathisanten bestimmter Politgruppen, wie zum Beispiel LCR. Inti Illimani stand hoch im Kurs, auch Raimon und Lluis LLach. Zeiten des Umbruchs. Francos Tod am 20. November 1975 löste bei mir erstaunlicherweise keine Freude aus: auch wenn ich mit der contracultura sympathisierte, verspürte ich Betroffenheit. Am Todestag Francos war ich traurig. So war es. Ich steh dazu. Im Jahr 2010 stellte die Zeitung El Pais in einer Beilage mehrere Persönlichkeiten vor. Sie sollten schildern, was sie empfanden, als Franco vor 30 Jahren, am 20 November 1975 starb. Alle erklärten, sie seien erleichtert gewesen, freudig. Im Jahr 2010 wurde diskutiert, ob Franco aus dem Valle de los Caidos exhumiert und umgebettet werden sollte. Er solle in Mingorrubio (El Pardo) zur Witwe, Carmen Polo, gelegt werden. Eine Scheindebatte hatte diese Idee ausgelöst. Titel der Debatte: War Franco ein Diktator oder nur eine autoritäre Figur ? War das Francoregime eine dictadura oder eine dictablanda (weiche Diktatur) gewesen ? 1976 legte ich mein Abitur an der Deutschen Schule Madrid ab. Beim ICADE (Universidad Pontificia de Comillas) sollte ich Jura studieren. Die Aufnahmeprüfung bestand ich. Ich hatte eine spanische Freundin. Madrid gefiel mir sehr. Und dann kam ein mittelschweres Unglück. Mein Vater wurde nach Barcelona versetzt. Ich musste mit. In Madrid konnte ich nicht bleiben. Ein Studium in Madrid hätte mein Vater nicht bezahlen können. Ich zog nach Barcelona. Die Universidad Central entpuppte sich als unpassierbares terrain. Die Vorlesung Naturrecht nannte sich dret natural und wurde auf katalanisch gehalten. Das Skript war in catalá verfasst und die Prüfungen mussten in catalá geschrieben werden. Eine Absurdität. Auf der Welt sprechen 500 Millionen Menschen spanisch. Ich war in Madrid auf die Deutsche Schule gegangen, war zweisprachig. Das nützte nichts, ich konnte in Barcelona Jura nicht studieren, weil ich an den Sprachbarrieren scheiterte. Dieser Schwachsinn wird fünfunddreissig Jahre später in verstärktem Masse kultiviert. Ich halte gar nichts von separatistischen Tendenzen, ebensowenig von diesem Kult der Dialekte, der nur zu einer Einschränkung der Kommunikationsmöglichkeiten führt. Ein Angriff gegen die Integration und Verständigung. Seit 2011 regiert in Guipuzcoa Bildu. Algorta liegt nicht mehr in Vizcaya, sondern in Bizkaia. Welch Fortschritt ! Baskisch ist kein Dialekt, das ist richtig. Es so in den Vordergrund zu stellen, halte ich, bei aller Sympathie für die Basken, für rückschrittlich und hirnverbrannt, kleinkariert. Apropos Zweisprachigkeit möchte ich kurz auf meine Erkenntnisse hinweisen. Erstens: Kinder aus Mischehen können nur zweisprachig erzogen werden, wenn Mutter und Vater mit dem Kind nur in der eigenen Muttersprache sprechen. Diese Praxis muss radikal bis zum siebten Lebensjahr durchgezogen werden. Bei Tisch darf das Kind mit einem Elternteil (oder mit einer Bezugsperson) immer nur in einer bestimmten Sprache sprechen, mit der anderen in der anderen. Kinder können akzentfrei zwei Sprachen sprechen, wenn sie vom ersten bis zum siebten Lebensjahr täglich von einer Sprache in die andere regelmässig umschwenken. Menschen wie ich, die ihr Leben lang zweisprachig leben, stellen fest, daß sie in beiden Sprachen ohne Unbehagen leben und denken können. Dennoch stelle ich mir hin und wieder die Frage: in welcher Sprache fühle ich mich wohler ? Welche Sprache hat mein Wesen vollständig “überflutet” ? Für mich ist die Antwort leicht zu finden. Sie liefert eine Gegenfrage: Würde ich diese Zeilen auf Spanisch schreiben wollen ? Meine Antwort lautet eindeutig “Nein”. Warum nein ? Weil ich mir schwer vorstellen kann, daß Spanier mit dem gleichen Interesse wie Deutsche an diesen Gedanken teilhaben wollen. Vielleicht stimmt das nicht, aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, wie ich empfinde. Empfinde ich so, dann hat die deutsche Sprache mich vollständig erfasst, auch wenn ich seit über einem halben Jahrhundert in Spanien lebe. Das wird sich nicht mehr ändern.


Nuevos Ministerios Madrid

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Gutachterschau könnte möglicherweise inszeniert worden sein

Wer Praxiserfahrung in verwaltungsrechtlichen Vorgängen hat, weiss dass die Ämter (Landesämter zur Regelung offener Vermögensfragen; Bundesamt, Finanzministerien) Personal hatten und haben, das Recherchen in einschlägigen Archiven durchführte/durchführt.

So ist beispielsweise die Entscheidung zur Entschädigung der Hackeschen Höfe in Berlin an die Erben von Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe gespickt mit Details aus diversen Archiven und Beständen.

Kein Gutachter wurde beauftragt. Verwaltungsjuristen subsumieren unter die Tatbestandsmerkmale der Norm unter Zugrundelegung der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts. Es gibt eine umfangreiche Handreichung, es gibt Kommentare (Fiebig).

Also was soll diese Gutachterschau ? Ich halte sie für nicht erforderlich. Gerichte sind durchaus in der Lage Erkenntnisse zu würdigen.

Soll hier möglicherweise legitimiert werden, dass Geheimverhandlungen geführt werden ? Sollen die täglichen Kommentare in der Presse (FAZ und SZ) suggerieren, dass verhandelt werden darf, Gerichte ausgeschlossen werden können ?

Denn eins dürfte klar sein: Wenn das Gesetz für alle gilt, dann gibt es keinen Raum für Verhandlungen. Die Bundesrepublik darf nicht verhandeln. Die Gerichte müssen entscheiden. Entweder die Ansprüche sind ausgeschlossen oder sie sind es nicht. Ich vermag keine Dispositionsbefugnisse zu erkennen.

aus dem Bescheid in Sachen Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe

Praktikum in Ausschliessungsgründe Teil 3: Wolrad Prinz zu Schaumburg-Lippe


wer sucht der findet................ hier, gleich mehrere Varianten.

Leistungen nach diesem Gesetz werden nicht gewährt, wenn 

der nach den Absätzen 1 und 2 Berechtigte oder derjenige, von dem er seine Rechte ableitet, oder das enteignete Unternehmen

gegen die Grundsätze der Menschlichkeit oder Rechtsstaatlichkeit verstoßen, 

in schwerwiegendem Maße seine Stellung zum eigenen Vorteil oder zum Nachteil anderer missbraucht 

oder dem nationalsozialistischen oder dem kommunistischen System in der sowjetisch besetzten Zone oder in der Deutschen Demokratischen Republik erheblichen Vorschub geleistet hat.

Praktikum in Ausschliessungsgründe Teil 2: Stephan Prinz zu Schaumburg-Lippe


Widergabe der beabsichtigten Entscheidung des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen

12.April 2005

es ist beabsichtigt, wie folgt zu entscheiden:

Der Antrag auf Ausgleichsleistung für das im Zuge der Bodenreform entzogene Vermögen des Stephan Prinz zu Schaumburg Lippe in Mecklenburg wird abgelehnt.

Begründung

Der Antragsteller begehrt für das in Mecklenburg belegene, im Zuge der Bodenreform entzogene Vermögen seines Grossvaters Stephan Prinz zu SchaumburgLippe Ausgleichsleistung. Eigentümer des in Mecklenburg belegenen Vermögens war Adolf Fürst zu Schaumburg- Lippe, der 1936 bei einem Flugzeugabsturz in Mexiko ums Leben kam. Erben hinsichtlich seines Privatvermögens waren seine Geschwister in Erbengemeinschaft. Ob das Vermögen in Mecklenburg Privat- oder Sondervermögen war, war bereits zu Lebzeiten von Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe streitig. Nach dessen Tode strebten die Geschwister anlässlich der Fideikommissauflösungsgesetzgebung einen Vergleich an, der im Zeitpunkt der Enteignung durch die Bodenreform jedoch nicht rechtswirksam war.

Die Ermittlungen zur Person von Stephan Prinz zu Schaumburg-Lippe haben bislang folgendes ergeben: Stephan Prinz zu Schaumburg Lippe (Mitglied der NSDAP seit dem 1.10.1930 Nr. 309 344) trat 1933 in den Auswärtigen Dienst ein, wurde am 15.08.1936 (mit Empfehlung seitens Martin Bormann vom 30.07.1936) zum Gesandtschaftsrat II. Klasse und am 24.11.1937 vom Führer und Reichskanzler zum Gesandtschaftsrat I. Klasse ernannt.

Gemäss der Dienstaltersliste der SS von 1938 war er seit dem 12.09.1937 SS- Obersturmbannführer (Ausweis Nummer 277 528) und nach der Mitteilung des Oberkommandos der Wehrmacht SS-Obersturmbannführer (seit 01.11.1941 beim Stab des SS-Hauptamtes).

Nach seinem Abschied vom Auswärtigen Amt war er als Abwehr- und Werkschutzbeauftragter bei der Schiffswerft Thomsen in Boizenburg eingesetzt. Er bestätigte am 02.07.1944 mit persönlicher Unterschrift als SS-Obersturmbannführer, den vom Reichsführer-SS verliehenen Totenkopfring erhalten zu haben und bewarb sich am 20.06.1944 um den Erwerb des Gutes Falkenau im Kreise Grottkau.

Aufgrund der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes vom 17.03.2005 - 3 C 20.04- (gemeint ist die Hugenberg Entscheidung, d.Verf.) sind weitere Ermittlungen entbehrlich.

Ein Anspruch auf Ausgleichsleistungen besteht nicht, da Stephan ..dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub geleistet hat…. Die subjektiven Voraussetzungen des Ausschlusstatbestandes sind erfüllt, wenn... ….war bereits in der Phase der Errichtung für das nationalsozialistische System tätig….

Die Stetigkeit seiner Handlungen, die Entwicklung bzw. Ausbreitung des Systems zu verbessern, ergibt sich aus seinem Lebenslauf. ...

Angesichts dieser Beförderungen war der Nutzen, den das Regime aus seinem Handeln gezogen hat, nicht nur ganz unbedeutend. Dieses belegt z.B. das Empfehlungsschreiben von Bormann. Stephan hat auch in dem Bewusstsein gehandelt, sein Verhalten könne dem Regime von Nutzen sein. Denn er trat der SS-Sippengemeinschaft bei....er bewarb sich unter Hinweis auf seine Verdienste am 20.06.1944 um den Erwerb des Gutes Falkenau im Kreise Grottkau.

Von weiteren Ermittlungen, nämlich ob Stephan gegen die Grundsätze der Menschlichkeit bzw. der Rechtsstaatlichkeit verstossen hat...kann abgesehen werden, da feststeht, dass er dem nationalsozialistischen System erheblichen Vorschub im Auswärtigen geleistet hat.



Praktikum in Ausschliessungsgründe Teil 1: Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg Lippe

Die tagtäglichen Artikel in der Sueddeutschen Zeitung oder in der FAZ besprechen immer wieder die Forderungen der Hohenzollern. Wann ist jemand von seinen Ansprüchen ausgeschlossen ?

Mir ging es immer so, dass ich am meisten lerne, wenn ich einen Fall bearbeite. Abstrakte Kommentare sind interessant, aber echtes Verständnis entsteht wenn KONKRETES bearbeitet wird.

Ich biete hier einen KONKRETEN Fall an, der hoffentlich Verständnis für die Problematik fördert:

Die Arisierung der Hackeschen Höfe in Berlin durch Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg - Lippe.












 

Dienstag, 3. Dezember 2019

das ideale Forschungsobjekt: Kriegsvorbereitung



Kuntzen



Es ist das ideale Forschungsobjekt:

das Palais Schaumburg in Bonn

Reines Privatvermögen des verfolgten letzten regierenden Fürsten zu Schaumburg Lippe. Von Viktoria von Preussen nach 1918 gekauft.

Nach dem Tod von Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe wird es, gegen den Willen eines Miterben, an die Wehrmacht verkauft.

Und dort wurde der Stab für den Frankreichfeldzug eingerichtet.

Dass sich kein Historiker damit auseinandersetzt liegt daran, dass die Historiker lieber Aufträge bearbeiten. Und weder staatliche Stellen (heutige Eigentümer des Kanzlersitzes) noch die  Rechtsnachfolger der damaligen Täter sind an einer Aufklärung interessiert, denn sie können dabei nur verlieren (zumindest Ansehen).

mehr dazu hier:

https://www.vierprinzen.com/2019/07/verkauf-des-palais-schaumburg-die.html


Sonntag, 1. Dezember 2019

Rezepte vom Hofe

Fand ein handschriftliches Rezeptheft der Köchin aus Schloss Bückeburg (1896).
 Nicht uninteressant zu erfahren, wie sich die Fürsten und deren Umfeld ernährte.


Hier vier Probeseiten:









Dienstag, 26. November 2019

"Wiedergutmachung muss sein" (Prinz Heinrich, ein Zeitzeuge)

Ich war mir nicht sicher, ob der Titel der Tagebuchausgabe von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe passen würde.

Die Ausdrusweise "Wiedergutmachung muss sein" stammt vom Tagebuchautor (Mai 1945)

Zitat:

Eintragung 13.5.1945, Seite 224


"Heute Nachmittag mit Kondratowitsch bei Frau v. Plotho zum Thee. Er erzählte, dass, mir scheint unter Görings Oberhoheit, ein „Verein“ zur Verwaltung beschlagnahmten jüdischen Vermögens gegründet gewesen ist*. Der Syndicus ist hier mit den Akten nach Bückeburg geflohen und hat sie dem englischen Kommandanten übergeben. Die Einnahmen dieser Gesellschaft, soweit sie nicht weggebucht sind, betragen 8 Milliarden. Kein Schreibfehler. Wenn man bedenkt, wie unendlich vieler jüdischer Besitz darunter nicht fällt: Verkaufte Geschäfte, Möbel etc., so kann man einerseits nicht umhin, zu sagen, welche überragende Rolle die Juden innehatten, andererseits, wo soll die Wiedergutmachung herkommen, die alle Rassen und Länder anmelden? Lässt sich das überhaupt erarbeiten, sagen wir mal in 15 Jahren? – – – Wiedergutmachung muss sein, das stimmt. Wie aber wird sich die praktische Durchführung gestalten? Zerstören geht schneller wie Aufbauen. Zu zahlen ist es niemals. Deutschland ist meines Erachtens so zerstört, dass die Wiedergutmachungsideen, so, wie sie gedacht waren, sich garnicht durchführen lassen werden. Es ist ja alles zerschmissen, das zum Aufbau Europas eingesetzt hätte werden können. Ich glaube, hier hakt die Rechnung bereits. Und es wird sich jetzt das Auswirken, was mehr zerschmissen wurde, wie nur kriegswichtige Betriebe. Dieses Bombardment beruhte nämlich leider auf dem falschen Gedanken, es könnte den Krieg verkürzen. Nein, aber die Reparationen erschweren. Der Krieg wäre nicht einen Tag länger weiter gegangen. Nicht einen Tag! – – – "
*gemeint war ein Ableger der HTO (Haupttreuhandstelle Ost)
sie soll in Schloss Bückeburg angesiedelt gewesen sein, vorher in einer Konditorei
(siehe auch: Kapitel 21 in Vier Prinzen Server der FU Berlin)

Bundesarchiv vermerkt:

Die Anschrift der Zentrale der HTO lautete am 21. Februar 1945: Berlin W 15, Bayerische Straße 5. Daneben bestanden zu dieser Zeit noch Ausweichdienststellen in Grünheide, Friesack, Trebbin und Bückeburg. Infolge der Luftangriffe auf Berlin waren bereits Ende 1943 Abteilungen evakuiert worden. Die Abteilungen I, II und III befanden sich zunächst in Ratibor, die Sonderabteilung Altreich wurde in Trebbin untergebracht. Die Abteilung Vermögensverwaltung kam zunächst nach Alt-Landsberg, später nach Grünheide, im Februar 1945 soll sie nach Bückeburg verlegt worden sein.


  Bestandsgeschichte</p>

Konkrete Informationen über den Verbleib der Masse der Akten liegen nicht vor. Aussagen polnischer Benutzer deuten jedoch darauf hin, dass in großem Umfang Akten insbesondere der Zweigstellen Posen und Litzmannstadt in den polnischen Staatsarchiven verwahrt werden.


Den größeren Teil der im Bundesarchiv vorliegenden Registraturreste wurde 1963 vom Verwaltungsamt für innere Restitutionen in Stadthagen übernommen (Zugangsnr. I 58/63). Es handelt sich dabei hauptsächlich um Sachakten der Abteilung Vermögensverwaltung und der Sonderabteilung Altreich, die 1945 von der britischen Besatzungsmacht in Bückeburg aufgefunden wurden. Weitere Buchungsunterlagen der HTO sollen damals von den Engländern vernichtet worden sein. Die erste Aufnahmestelle für das erhalten gebliebene Schriftgut war das nach 1945 neu errichtete Zentralamt für Vermögensverwaltung in Bad Nenndorf.



Mittwoch, 20. November 2019

Tanz ums Goldene Kalb

Ich möchte nicht arrogant wirken, aber die Debatte um die Gutachten zu den Hohenzollernforderungen, sowie die sehr tiefschürfenden Artikel in der seriösen Presse, wie der vom heutigen Tage in der SZ, mit dem Titel "Geschichte vor Gericht" verkennen, dass es auch eine sehr simple Erklärung geben kann für das Engagement des Ältesten der Preussenfamilie.

Und diese Erklärung lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Die Weimarer Republik gewährte die Fortgeltung des BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Das BGB öffnete die Türe zur Erbteilung. Erbteilung bedeutete Zersplitterng von grossen Vermögenskörpern.

Der Nationalsozialismus, insbesondere die SS, die auch für die Kriegsvorbereitung zuständig war, wollte das Vermögen bündeln, und zwar in einer Hand, damit diese Hand, gehorsam den Einsatz der Vermögenskörper, für Kriegszwecke, gewährt.

Das widerum erfreute den Altesten, der auf diese Weise (gegen BGB) Gesamtvermögen steuerfrei erwerben durfte, wenn er zuverlässig ist. 

Und Zuverlässigkeit beweist jemand, wenn er das KZ Buchenwald verwaltet (Josias von Waldeck), wenn er Adjutant von Himmler ist (Josias von Waldeck) oder der Adjutant von Goebbels (Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe). Und die Oldenburger waren gerne bei der SS.

Hier kann diese Logik nachgelesen werden:

"In den Unterlagen des Gesetzgebungsverfahrens zum Fideikommissrecht finden sich Unterlagen der NSDAP. 

Der Stab des Beauftragten für Wirtschaftsfragen beim Stellvertreter des Führers hatte bereits am 28 November 1934 an das Reichsjustizministerium in der Vosstrasse 5 in Berlin wie folgt geschrieben: 

Betrifft Familiengüter 

In obiger Angelegenheit wurden bei mir die zwei beiliegenden Vorschläge abgegeben. Ich würde gern von Ihnen hören ob Möglichkeiten bestehen, dass denjenigen Familienmitgliedern, welchen der Besitz allein zugesprochen wurde, zugunsten der übrigen grösstenteils sehr notleidenden Familienmitglieder, eine Rentenzahlung auferlegt wird; es würde dadurch ein wünschenswerter sozialer Ausgleich geschaffen. Ich bitte um möglichst baldige Stellungnahme. Heil Hitler. Dr. Heselmann. 

BARCH 3001 Aktenband 10191, 1 S. 4 

Eine Anlage besagte: ...”nach Auflösung der Familiengüter sind die derzeitigen Besitzer freie Eigentümer der Güter geworden und erkennen, Dank der ihnen wohlwollenden Gesetzgebung, keine Unterstützungspflicht gegenüber ihren weiteren Familienangehörigen mehr an.” ebda. Bl. 3 

Wohlwollende Gesetzgebung, das war das Stichwort. 

Die Opportunisten benótigen  die wohlwollende Gesetzgebung. 

Wolrad Prinz zu Schaumburg Lippe zum Beispiel wird die wohlwollende Gesetzgebung benótigen.
Er wird einer Zuverlässigkeitsprobe unterzogen werden. Im Rahmen dieser Zuverlässigkeitsprobe wird er unter Beweis stellen wollen, dass er Nationalsozialist der ersten Stunde war. Deshalb stellte er einen Rückdatierungsantrag für die Aufnahme in die NSDAP"

(Vier Prinzen zu Schaumburg-Lippe und das parallele Unrechtssystem, 2006, auf dem server der Freien Universität Berlin https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/16146)

und Seite 299 schrieb ich:

Stephan Malinowski hat in seinem vielbeachteten Buch, “Vom König zum Führer”, Gedanken geäussert, die auch mir seit Jahren durch den Kopf gingen. Ich beziehe mich auf die Beschreibung in Teil V, unter 11.3, Neuadel aus Blut und Boden, (Taschenbuchausgabe S. 524.) 

Malinowski beschreibt dort folgendes: “Noch glücklicher verlief der Antrag für Josias (gemeint ist Prinz von Waldeck und Pyrmont). Der Antrag …seinen Landbesitz von über 5.000 Hektar als Erbhof anerkennen zu lassen, wurde 1938 vom Landesbauernführer protegiert, aufgrund der ausserordentlichen Verdienste um die “Bewegung”. 

Man verlangte vom Prinzen ein gewisses Entgegenkommen: einen kleineren Teil seiner verpachteten Güter sollte als Landabgabe zur Neusiedlung abgetreten werden (Malinowski ebenda, siehe BA (BDC) Pa: Josias).” Es handelt sich um genau die Zusammenhänge die ich im Falle Wolrad Prinz zu Schaumburg Lippe entdeckt habe. Es handelt sich um die plausibelste Begründung für die Kooperation zwischen Teilen des Hochadels und dem Nationalsozialismus. Aufgrund der ausserordentlichen Verdienste um die “Bewegung” wurde ein Besitz als Erbhof anerkannt". 




Tanz ums Goldene Kalb

Es ging NUR ums Vermögen.

So wie es auch heute NUR um Vermögen geht.

Und das beste Beispiel tangiert die Bundesrepublik.

Das Palais Schaumburg wurde rechtswidrig an die Wehrmacht "veräussert" um dort den Stab einzurichten der den Krieg gegen Frankreich leiten würde.

Ohne die "wohlwollende" Hilfe der SS hätte das niemals geschehen können.

Und heute ist die Aufarbeitung dieser Zusammenhänge unerwünscht.

Tell the Truth




Samstag, 16. November 2019

Gutachten Hohenzollern und Datum derselben

Datum der geleakten Gutachten:

Dr. Stephan Malinowski Juni 2014
Dr. Brandt August 2014
Dr. Pyta 2016
Dr. Clark ohne Datum

 Teilweise über 5 Jahre alt.
 Foschungsstand nicht unbedingt aktuell.

Das bedeutet, dass beispielsweise die Herren nur meine blogeinträge bis zur Nummer 45 gelesen haben konnten. Ich habe bislang 340 Beiträge gepostet, bspsw  die Akte Plettenberg. Plettenberg war Generalbevollmächtigter der Preussen und der Schaumburger. Es erschien das Tagebuch des Prinzen Heinrich und mit Sicherheit viele andere Quellen und Untersuchungen.

Das bedeutet, dass die Gutachten nicht auf dem neuesten Stand sein können.

Soviel zur Wissenschaftlichkeit des Vorgangs heute, denn diese Gutachten möchte ja die Brandenburger Justiz heute zugrunde legen.

Deshalb frage ich:

Sind die geleakten Fassungen der Gutachten WIRKLICH die aktuellen ?



Es wird doch niemand ernsthaft glauben dass die Uhren im Juni 2014 stillstanden, bis heute.

Sollen  spätere  Erkenntnisse ausgeblendet werden ? Hat sich nach Juni 2014 niemand ausser die Herren Gutachter mit Adel und Nationalsozialismus beschäftigt ? Oder anders gefragt: zählt nur das was diese Gutachter bis Juni 2014 geforscht haben ?

Vielleicht wäre die Beiziehung der Plettenberg Akte sinnvoll.