Follow by Email

Sonntag, 28. Juni 2015

Transkription Tagebuch Heinrich Prinz Schaumburg-Lippe

Es geht zügig voran, die Handschrift ist inzwischen gut lesbar. Bin auf Seite 273. Schade dass der Text in einigen Monaten vollständig übertragen sein wird. Ein wenig beeindruckt mich, dass ich Enkel so alt bin wie mein Grossvater alt wurde, 58 Jahre alt.

Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe mit Tochter Dagmar


Auf der Terrasse in Guadarrama bei Madrid

14 Mai 1945

Heute Mittag liess der Major den immer so wundervoll blühenden Kirschbaum vor dem Flügeleingang abhacken. Einer der seltensten und schönsten Bäume Bückeburgs. Eine wüste Barbarei, wohl um mehr Licht im Zimmer zu haben. Das ist nun mal ein sehr schmerzliches Pech; wäre der Major auf einem der gepflegten englischen Landsitze geboren wo man viel Sinn für Baumkultur hat, wäre dies nicht passiert. Zehntausende von Menschen auch von auswärts kennen diesen Baum und werden später nach seinem Schicksal fragen und es erfahren leider, denn so etwas hat mit Krieg nichts zu tun. Eine bedauerliche Entgleisung. Ich hätte lieber 1000 Reichsmark an das englische Rote Kreuz gezahlt als dass dieser Baum gefällt wurde. Dafür habe ich die Achtung vor Bäumen von meinem Vater geerbt.


Freitag, 26. Juni 2015

Mein heiliger Berg sagte der dankbare Grossneffe Alexander zu Schaumburg-Lippe ...

Aus einem Artikel im Stern in Heft 24 aus 2001, S. 212 und 213.

“Adolf, der 1911 die Regentschaft im Mini Fürstentum übernahm, liess sich zwar noch das drittgrösste private Mausoleum
der Welt in den Bückeburger Park setzen und für seinen Jagdgast, den Kaiser, gar ein Wasserklosett im Schloss einbauen. 

1918 wurde er jedoch, als letzter deutscher Fürst, zum Abdanken gezwungen. Beim Landesvermögen machten der Fürst und sein  Ländchen anschliessend halbe-halbe. 

So blieb Adolf genug Geld, um es mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen. Seine Gattin stand ihm dabei hilfreich zur Seite. 1920 ehelichte der Entthronte eine gewisse Elisabeth Bischoff, die vor ihm schon einen anderen Prinzen ruiniert hatte. 

Adolfs Geschwister sahen der Mesalliance des Fürsten nicht tatenlos zu: Elisabeth musste für sich und ihre möglichen Kinder auf alle Ansprüche an das Haus Schaumburg Lippe verzichten. 

Per Mehrheitsbeschluss verbot der Fürstenclan ihr das Betreten des Schlosses.

Das hohe Paar sah sich gezwungen, sein Geld ausserhalb der Landesgrenzen zu verspielen. 

Zehn Millionen Reichsmark verzockte Elisabeth in einer Nacht im “Salon Ultra Privé”, und das wiederholt. 

“Jedes Mal, wenn ich in Monte Carlo an diesem Zuckerbäcker – Casino vorbeifahre, denke ich: Da steckt unser Geld drin”, ärgerte sich Alex. 

1936 fand das Verschleudern ein Ende. Adolf und Elisabeth zerschellten samt Entourage im Flugzeug am Popocatepetl. “ Meinen heiligen Berg” nennt der dankbare Grossneffe den mexikanischen Vulkan.”


der heilige Berg










Donnerstag, 25. Juni 2015

Wie kann ein vermögensloser Ex-Monarch Unsummen verspielen ?


Merkwürdige Gedanken wurden an den Betreiber dieses blogs  gesendet. Sie lauten wie folgt:

Es geht um Adolf Fürst zu Schaumburg - Lippe und seine Ehefrau Ellen

"Durchaus fähiger Monarch, trotz seiner Jugend. Gute Initiativen, kluge Investments, persönliche Courage, Disziplin  und Opferbereitschaft (WK 1). 

Ein guter Anfang. 

Aber die Ehe mit Ellen Bischoff scheint ihn unterminiert und schließlich zerstört zu haben, anders ist so eine dramatische Persönlichkeitsveränderung nicht nachvollziehbar. 

Wie ist es möglich, dass ein solcher Mann seiner Frau erlaubt, das fünftgrößte deutsche Vermögen am Spieltisch zu vernichten? 

War er psychologisch von ihr abhängig? Sexuell vielleicht? Die beiden scheinen irgendwelche dunklen Geheimnisse gehabt zu haben. Closet gay?? Womöglich haben die Geschwister irgendetwas gewusst, was sie nicht niederzuschreiben wagten? Es ist ein Rätsel. ..."

Kommentar:

Verblüffende Frage, "Wie es möglich sei, dass ein solcher Mann seiner Frau erlaubt, das fünftgrößte deutsche Vermögen am Spieltisch zu vernichten?"

Wie ist es möglich dass  ein vermögensloser Fürst Vermögen am Spieltisch vernichtet ?

Juristisch schwer zu begreifen.

Aber eventuell ein Grund das Paar verschwinden zu lassen. Vielleicht war der Fürst nicht vermögenslos. 



Vielleicht sollte ich um den wissenschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, die Quelle des interessanten Kommentars nennen, aber ich darf nicht, wurde "verboten" .......



Übrigens: Welche konkreten Vermógensgegenstände wurden verspielt ?

Soweit die Grundbücher und das "Fideikommissauflösungsverfahren" ab 1938 belegen kann von verspieltem Vermögen nicht die Rede sein.

Urban legends ?

Wer war Nutzniesser der Lügenkampagne damals und setzt diese fort bis heute ?


Vermögen nicht vorhanden ?
Womit spielte der Fürst im Casino ?



Mittwoch, 24. Juni 2015

Weitere Gemeinsamkeiten zwischen Prinzessin Ellen zu Bentheim Steinfurt und Ellen zu Schaumburg-Lippe und Gemahl

Gestapa in Prinz Albrecht Strasse 8 Berlin ermittelt gegen Prinzessin Ellen zu Bentheim Steinfurt und gegen Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe und Gemahlin wegen Verhalten.

Gestapa in Prinz Albrecht Strasse 8 Berlin ermittelt in beiden Fällen im Jahr 1934

Im Gestapa Akt werden beide Familien (Schaumburg-Lippe und Bentheim genannt)

In beiden Fällen ist die Rede von Homosexualität oder Berührung mit der Homosexualität

In beiden Fällen kommt es zur Emigration, Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe und Gemahlin emigireren nach Brioni (Italien),

Prinzessin Ellen zu Bentheim Steinfurt emigriert nach England.



Auswärtige Amt schrieb an das Geheime Staatspolizeiamt in Berlin, Prinz Albrechtstrasse 8

SOLLTE DORT WERT DARAUF GELE....IST DAS AUSWÄRTIGE AMT BEREIT, DIE DORT ...DER DEUTSCHEN BOTSCHAFT IN ROM ZUR KENN ...MITTELN. 
ICH DARF JEDOCH BEMERKEN, DASS ÜBER DIE BETREFFENDEN PERSÖNLICHKEITEN B ...AUSREICHEND INFORMIERT SEIN DÜRFTE.


Ermittelte das Geheime Staatspolizeiamt (GESTAPA) gegen Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe 1934 wegen Homosexualität ?

In Literatur und innerhalb der Familie Schaumburg-Lippe wurde des Öfteren gefragt oder ausgesagt, dass Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe homosexuell war.

Quelle die nicht genannt werden möchte erklärte schriftlich folgendes:

"Durchaus fähiger Monarch, trotz seiner Jugend. Gute Initiativen, kluge Investments, persönliche Courage, Disziplin  und Opferbereitschaft (WK 1). Ein guter Anfang. 

Aber die Ehe mit Ellen Bischoff scheint ihn unterminiert und schließlich zerstört zu haben, anders ist so eine dramatische Persönlichkeitsveränderung nicht nachvollziehbar. 


War er psychologisch von ihr abhängig? Sexuell vielleicht? Die beiden scheinen irgendwelche dunklen Geheimnisse gehabt zu haben. Closet gay?? 


Womöglich haben die Geschwister irgendetwas gewusst, was sie nicht niederzuschreiben wagten? Es ist ein Rätsel." 


Zaghafte Hinweise nachzulesen aud Seite 19 hier:



http://www.edocs.fu-berlin.de/docs/receive/FUDOCS_document_000000019347

Ein namhafter Historiker (Uniprofessor)  fragte mich explizit nach einer möglichen Homosexualität Adolfs.

Wilhelm Gerntrup erklärte in seinem Buch: Das Mausoleum im Schlosspark. Adolf II. Fürst zu Schaumburg-Lippe  habe wenig Interesse für Frauen gehabt.

Gegen ihn ermittelte 1934 das Geheime Staatspolizeiamt. Nicht dokumentiert ist, weil die Akten unvollständig sind, aus welchem Grund ermittelt wurde. Kurt von Behr hatte ihn denunziert und erwähnte ein "Verhalten".

Wie im Voreintrag hier dargelegt hatte der erste Ehegatte von Adolfs Ehefrau eine Tochter.


1934 trat diese Tochter, mit Namen Prinzessin Ellen zu Bentheim-Steinfurt, in Berlin in Erscheinung und wurde von dem Geheimen Staatspolizeiamt verhört. Sie verriet ihre homosexuellen Freunde.


Es heisst in der webseite dubistanders:

"Einige schwule Männer, die ebenfalls bei den Razzien 1934 verhaftet wurden, konnten sich später an die Prinzessin erinnern.

Der ehemalige Häftling Hans Grafe erklärte:


»Da gab es eine Frauensperson hier, die hieß Prinzessin Bentheim. Die sammelte Schwule um sich. Und diese Frau hatte selber Freude an Schwu­len, und brachte die zusammen und so, und die war da im Mittelpunkt. Sie wurde eines Tages verhaftet und man fand ihr Adressenbüchlein, und ich stand auch darin. Und da wurde ich abgeholt, früh am Morgen.«


Der Schauspieler Kurt von Ruffin, ebenfalls wegen seiner Homosexualität in Haft, stellte ihr Motiv wie folgt dar:

»Und die hat immer viele schwule Jungens eingeladen bei sich. Darunter war ein sehr junger Graf aus gutem Haus. […] und der machte sich an mich heran, warum weiß ich nicht. Ich wußte aber von seinem Bentheim-Verhältnis nichts. Und die Bentheim hat also jeden Abend, oder jeden besseren Abend 30, 40 Jungens eingeladen, die es dann bei ihr treiben mussten. Und die hat alle angezeigt.«

Was die Prinzessin dazu bewog, ihre Bekannten zu verraten, ist also unklar. Wir wissen nur, dass sie sich gerne mit schwulen Männern umgab und mit ihnen freizügige Partys feierte. Sie wurde zwar von der Gestapo befragt, aber – soweit bekannt – nicht verhaftet".

Stand Adolf Fürst zu Schaumburg - Lippe auch in dem Adressenbüchlein ?

Oder führten die Ermittlungen gegen Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe zu Prinzessin Ellen ?


Sowohl die Ermittlungen gegen Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe als auch die gegen Prinzessin Ellen fanden im selben Jahr statt und wurden von der gleichen Behörde mit Sitz in der Prinz Albrecht Strasse 8 geführt.


Gestapa Prinz Albrechtstrasse 8, Verhalten, Schaumburg-Lippe, Bentheim
Koinzidenzen ?


Sollte dies den Tatsachen entsprochen haben, so wäre es, zur Wahrung des Namens Schaumburg-Lippe, in der damaligen Zeit, um Skandale einzudämmen, diese Ermittlungen nicht publik zu machen.


Natürlich wäre Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe in der damaligen Zeit untragbar gewesen, schliesslich hätte er gegen das Gesetz verstossen.


Dass er im März 1936 bei einem Flugzeugabsturz, kinderlos, gemeinsam mit seiner Ehefrau umkam, werteten die Nazis wohl kaum als "Unglücksfall".




  



Sonntag, 21. Juni 2015

Zweimal Ellen zweimal Gestapa zweimal 1934. Zufall ?


Ellen, Ehefrau von Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe war in erster Ehe mit dem Prinzen Eberwyn zu Bentheim - Steinfurt verheiratet gewesen. Es war eine Ehe von sehr kurzer Dauer; geschlossen am 24 August 1918, geschieden 1919.  

Bereits am 10 Januar heiratet sie Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe.

Sehr seltsam dieses Tempo.

Prinz Eberwyn zu Bentheim - Steinfurt verstarb 1949 kinderlos,heisst es.

Es sieht aber so aus, als habe er eine Tochter in erster Ehe gehabt. Vor seiner kurzen Ehe mit Ellen Bischoff - Korthaus war er mit einer "Bürgerlichen" verheiratet. Er hatte am 6.10.1906 in London Johanna Petronella Pauline Langenfeld (geboren 11.2.1884 in Hückeswagen, gestorben am 30.12.1970 in Garmisch - Partenkirchen)geheiratet.

Die "unbekannte" Tochter aus dieser Ehe hiess Ellen Ingeborg Sophie Henriette Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt und wurde am 24. April 1911 in Brüssel geboren.

1914 wurde die Ehe geschieden.

Wusste Ellen, dass Prinz Eberwyn eine Tochter hatte ?
Verschwieg er die Existenz der Tochter ?
War dies ein Scheidungsgrund ?

Wer war die Tochter ?

Ich fand einen Eintrag hier:


Ellen Ingeborg Sophie Henriette Prinzessin zu Bentheim und Steinfurt wurde am  24. April 1911 in Brüssel geboren. Ihr Vater, Prinz zu Bentheim und Steinfurt, stammte aus einem der ältesten deutschen Adelsgeschlechter. 1906 hatte er Ellens Mutter Lili geheiratet. Damals ein Skandal. Denn Lili war eine Bürgerliche und die Beziehung zwischen ihr und dem Prinzen damit nicht standesgemäss. Als sich ihre Eltern nach acht Jahren Ehe trennten, sog Ellen zu ihrer Mutter. Sie erlernte nie einen Beruf, sondern lebte von dem Geld, das monatlich von ihrem Vater und ihrer Grossmutter bekam. Offensichtlich reichte das aus, um ihre Freunde des Öfteren zu rauschenden Festen einzuladen.

Im Dezember 1934 wurde Ellen wegen einer ihrer rauschenden Partys verhaftet und verhört. Sie gab an, keiner politischen Partei anzugehören. Jedoch bezeichnete sie sich selbst als "förderndes Mitglied der SS" die sie "durch die Zahlung der entsprechenden Beiträge" unterstütze.

Die Prinzessin Bentheim gab ihren Beinamen auf, als sie einen Bürgerlichen heiratet. 

Folgender Artikel in The Queenslander Brisbane vom 31. Oktober 1935 gibt etwas Aufschluss über ihren weiteren Werdegang:

"Princess Marries a Salesman
Dark haired, 24 - year - old Princess Ingeborg, of Bentheim-Steinfurt, who is related to nearly all the reigning monarchs of Europe, renounced all her hereditary royal privileges at a London Register Office when she married Herr August Anton Hans Sölken, a 22-year.old commercial traveller.

Romance is no stranger to her family. Exactly twenty-nine years ago this month her father and mother were secretly married at the old Strand Register Office.

Her father, Prince Eberwyn, of Bentheim-Steinfurt, renounced a frotune of pounds 250.000 a year, and all hisroyal privileges to marry the daughter of a Germant peasant. One of his aunts was the Duchess of Albany , another was the Queen Mother of Holland. 
The Princess, whose full name is Ellen Ingeborg Sophie Henriette Maria Augusta Pauline Maximilienne Constance Caroline Jeanne Huberta Bentheim-Steinfurt, has inherited her father´s disregard for tradition.

"They do not like it very much," she admitted with a shrug when asked about the family attitude to her marriage. "That is why we came to England in the hope of keeping the wedding a secret."

Sie starb kinderlos mit nur 43 Jahren am 12 September 1954 in Biberach an der Riss in Baden - Württemberg.

Bemerkenswert ist somit:

1. Der erste Ehemann von Ellen,verschwieg, dass er eine Tochter mit Namen Ellen hatte. Erfuhr sie das und liess sich deshalb so schnell scheiden ?

2. Gegen Ellen, Tochter des Prinzen Eberwyn wurde 1934 ermittelt. Sie wurde verhaftet. 

Gegen Ellen und Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe ermittelte die Gestapa ebenfalls 1934.Im Vermerk der Gestapa hiess es Ellen sei die geschiedene Frau des Erbprinzen Bentheim.

3. Es gab demzufolge zwei Ellens gegen die 1934 ermittelt wurde. Sie verband Prinz Eberwyn zu Bentheim - und Steinfurt; einmal ex Ehemann, einmal Vater und sie verband die Gestapa. Zufall ? 

4. Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, Adjutant von Goebbels, Schwager von Ellen sprach sich dagegen aus, dass Ellen in Bückeburg beigesetzt wurde, da "nicht arisch" (siehe Beitrag Notiz in diesem blog). Der Eintrag hier über Ellen, Tochter des Prinzen Eberwyn http://www.dubistanders.de/Ueber-die-Ausstellung beschäftigt sich mit der Ausgrenzung und Ermordung der Juden. Zufall ?

5. Beide Ellens wurden von den jeweiligen Familien nicht akzeptiert. 









Freitag, 19. Juni 2015

Noch einmal: Notiz nach dem Tod von Adolf Fürst zu Schaumburg-Lippe


Telefonnotiz im Büro des Reichsstatthalters Alfred Meyer 1936
StA Detmold L 76 Nr. 179

Teilweise schwer lesbar:

1928 Adelsgesetz                        Eröffnen                     R 232
                                                    11.4.

Artikel in der Schaumburg
Geburtstag  .....notiz     18.4.91
Testament (Notar  Prinz)
Prinz Wolrad: Prinz Fr. Christian inhibiert Beerdigung, da Frau nicht arisch
Rat: möglichst Wolrad u. Henckel
kein Zweifel dass .... arisch
Bruder der Fürstin ist Mitglied der Reichskunstkammer
Beerdigung am Sonntag oder Montag
.... soll dabei sein ?
Innenminister soll schnell antworten. Mit .... Prinz Statthalter u. Führer Fühlung aufgenommen.
Sonntag nachmittag, Statthalter auch teilnehmen: ...Beisetzung 















Sonntag, 7. Juni 2015

Eintragung 5. Mai 1945 im Tagebuch des Prinzen Heinrich





Es ist als wenn die Verantwortlichen entweder vom Wahnsinn befallen oder Verbrecher sind. Etwas anderes kann nach Lage der Dinge nicht in Frage kommen. Ich glaube, dass Beides zutrifft. Es wird aber immer, scheint mir, ein psychologisches Rätsel bleiben wie es möglich war, ein Volk gegen seinen Willen erstens so lange in Schach zu halten und zweitens es zu einem so langen Durchhalten an der Front zu bereden. Unverständlich die Haltung der Generäle ausser wenn man bedenkt, dass es wohl auf der ganzen Welt keinen Menschen mit gleich grosser Einflussphäre giebt, die in jeder Beziehung einseitiger sind. Vor allem wirkt sich das Fehlen jedes politischen Sentiments aus.

5.V.45

Man hört heute als Entschuldigung von den Nazis den Ausruf “wir waren doch nur Deutsche”. Das ist vollkommen richtig aber nur insofern als hier eine völlige Verkennung dessen zugrunde liegt, was letzten Endes der tiefste Sinn dessen ist, was man allein mit Recht als deutsch bezeichnen kann. Ich glaube es lohnt sich darüber nachzudenken. Vorweg eins: Der Begriff deutsch ist nicht gebunden an Landesgrenzen, nicht eingeengt auf einem geographisch bestimmbaren und durch Grenzphäle begrenzten Raum, nicht begrenzt völkisch oder rassisch. Nein es gehören alle die Menschen dazu, die sich eines wissen in den tiefsten seelischen Schwingungen mit den deutschen Schöpfern unvergänglicher geistiger Werke in dem sie ihren Niederschlag im Inneren gefunden haben im geschriebenen Wort in der Musik oder in der bildenden Kunst. Alles andere ist eine Verzerrung des Begriffs deutsch, ein Missbrauch. Es ist wohl niemals in dieser Hinsicht so gesündigt  worden wie gerade im 3. Reich. Der Saat zerstörte das Familienleben die Keimquelle aller Entwicklung, setzte an Stelle der christlichen Lehre die Vergottung der Materie an Stelle von Ehrfurcht vor dem höchsten geistigen Sein als Grundbedingung für den Anfang jeder menschlichen höheren Entwicklung die Vergottung der eigenen Person, zertrat die Heiligkeit der Ehe durch den Befehl uneheliche Kinder zu zeugen in möglichst grossem Umfang und untermauerte alles propagandistisch so, dass wirkliche nicht unerhebliche Teile des Volkes der Meinung waren, Deutsche einer bisher nicht erreichten höheren Entwicklungsstufe zu sein ohne zu merken dass sie sich in einem kaum vorstellbaren Tempo zurück zum Tier entwickelten. Die Quittung für die Richtigkeit dieser rückläufigen Bewegung finden wir in der Möglichkeit der Zustände wie sie in den

S. 208


Konzentrationslagern gefunden würden. Dass diese Entwicklung nur im Chaos enden konnte, war jedem Menschen klar der auch nur die geringste Ahnung von geistigen Gesetzen hatte. Dass das Tempo und die Wucht des Zusammenbruchs durch den Krieg sowohl beschleunigt wie vergrössert wurde, steht ohne Zweifel vor aller Augen, andererseits ist der Anschauungsunterricht so grauenhaft, dass dadurch die Hoffnung auf eine Selbstbesinnung berechtigt erscheint als Reaktion. Hier liegt die einzige Entwicklungsmöglichkeit und zwar muss sie das Volk zurückführen zur Erkenntnis der Grundweisheit der christlichen Religion, als dem einzigen Urquell allen geistigen Lebens in Europa. Geschieht dies nicht, so wird die Selbstvernichtung nicht aufzuhalten sein. Vor Jahren sagte mir einmal eine alte Bäuerin: “Durchlauchten, es giebt nur eine Frage, ob das Hakenkreuz oder das Kreuz von Golgatha siegt”. Die Frau hatte Recht und wird recht behalten.-


Ich habe im Vorstehenden gesagt, was ich unter national deutscher Prägung, wie ich mich zusammenfassend ausdrücken möchte, verstehe. Ich betonte dass dieser Begriff (und das gilt für alle Völker) die Landesgrenzen sprengt, wie der Geist überhaupt in seiner Auswirkung erhaben ist über räumliche Begrenzung. Aber auch in der Welt der Materie gilt es für uns zu lernen umzudenken. Dazu zwingt das Zeitalter der Technik, das uns die früher ungeahnte Möglichkeit gab, grösste Entfernungen in kürzester Zeit zu überbrücken. Das zwingt automatisch zu einem Zusammenschluss aller früherer “Grossmächte” die im gleichen wirtschaftlichen zusammengehörigen Grossraum liegen. Gleichzeitig  aber sinkt die Bedeutung der Grösse der einzelnen XXX Nationen in diesem Raume zurück gegenüber der gemeinsamen Organisation der Lenkung der Wirtschaftsgebiete, die durch keinerlei Grenzen gehemmt sein dürften, wenn alles sich umgestellt hat und eingespielt ist. Mit dieser Erkenntnis öffnet sich der Weg für die Unbedenklichkeit der Förderung föderativer Staatsgebilde, durch deren Bestehn Kulturzentren geschaffen werden nach der die Welt niemals mehr lechzte als gerade im Zeitalter der technischen Welle, die ihrer inneren Struktur nach einen typisch anti geistigen Stempel trägt. Es wäre ein Grundirrtum sich hier einer Täuschung hinzugeben ! – Der Mensch läuft im Moment Gefahr von der Maschine beherrscht zu werden anstatt sie selbst zu seinem Diener zu machen.-

S. 209

Weltkonferenzen können die erreichten Ziele vom technischen und merkantilen Standpunkt aus festigen. Die Lösung der kulturellen Fragen aber bleibt die völlig private Domäne der einzelnen Staaten. Von diesem Gesichtspunkt bin ich für die Beibehaltung der deutschen Kleinstaaten bei einem Zusammenschluss der europäischen Grossraumes. Die Zeit würde sehr bald zeigen, dass eine innere Umstellung des Denkens in Deutschland eine wesentliche Förderung in Bezug auf das zu erhoffende Tempo erhielte. Die Schaffung kultureller Werte auf deutschem Boden, als einziger von mir anerkannter Gradmesser für den Wert eines Volkes würde nicht darunter Leiden wenn das alte Königreich Hannover errichtet würde, XXX Bremen Hamburg und Schaumburg Lippe als selbständige Partner mit einer Zollunion anschliessen könnte. Ich bin mir schon heute sicher dass dies von der überwiegenden Mehrheit der Bewohner XXX begrüsst werden würde, da der Wideraufbau in einem heute kaum zu erhoffenden Tempo erfolgen könnte. Mir schweben als Wunschtraum die Vereinigten Staaten von Europa unter englischer Führung vor als einzige Lösung.  Je freiwilliger die Gründung Paneuropas vor sich geht, um so reibungsloser dürfte sich die weitere Entwicklung gestalten und die gegenseitige Atmosphäre  von Hass und Antipathie beseitigt werden können. Und das ist enorm wichtig. Die Umstellung Deutschlands auf Paneuropa wird in mancher Beziehung leichter sein als in den anderen Staaten, da man sich bei dem notwendigen Aufbau gleich hierauf einstellen kann.

6.V. 1945